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Benefits · Ratgeber für Arbeitgeber

Betriebliche Umlage-Verbesserung: mehr U1-Erstattung sichern

Von Jan Ruhoff · Makler mit FliegeStand: 24. Oktober 2026Lesezeit: ca. 5 Minuten

Fällt ein Mitarbeiter durch Krankheit aus oder eine Mitarbeiterin durch Mutterschutz, zahlst du als Arbeitgeber die Lohnfortzahlung. Über die Umlage U1 und U2 bekommst du einen Teil davon von der Krankenkasse erstattet. Wie viel, hängt vom Satz ab, den du wählst, und von der Satzung der Kasse. Die Erstattung gibt es nur auf Antrag.

Das Wichtigste vorab

Die Umlage U1 erstattet Arbeitgebern mit in der Regel höchstens 30 Arbeitnehmern einen Teil der Lohnfortzahlung bei Krankheit. Gesetzlich sind es 80 Prozent, die Satzung deiner Krankenkasse kann niedrigere Sätze vorsehen, aber nicht unter 40 Prozent. Die Umlage U2 gilt für alle Arbeitgeber, unabhängig von der Betriebsgröße, und erstattet in vollem Umfang den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld und das Entgelt bei Beschäftigungsverbot, dazu die darauf entfallenden Arbeitgeberbeiträge. Die Umlage zahlst du als Prozentsatz vom Entgelt, die Erstattung bekommst du nur auf Antrag.

1Was ist U1, was ist U2

Umlage U1Umlage U2
AuslöserKrankheit eines MitarbeitersMutterschutz einer Mitarbeiterin
Pflichtig fürArbeitgeber mit in der Regel höchstens 30 Arbeitnehmern (Auszubildende und schwerbehinderte Menschen zählen nicht mit, Teilzeitkräfte anteilig)alle Arbeitgeber, unabhängig von der Größe
Erstattet wirdbis zu 80 % der Lohnfortzahlung, je nach Satzung der Kasse (wählbar, nicht unter 40 %)in vollem Umfang: Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, Entgelt bei Beschäftigungsverbot und die darauf entfallenden Arbeitgeberbeiträge (manche Kassen erstatten pauschal)
Gilt auch ohne Frauen im Betrieb?nicht relevantja, Pflicht unabhängig von der Belegschaftsstruktur

So zählt die Grenze von 30: Du nimmst an der U1 teil, wenn du im Vorjahr in mindestens acht Kalendermonaten nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigt hast. Auszubildende und schwerbehinderte Menschen zählen nicht mit, Teilzeitkräfte zählen mit 0,25 (bis 10 Wochenstunden), 0,5 (bis 20) oder 0,75 (bis 30 Wochenstunden). Die Kasse stellt das jeweils zum Jahresbeginn fest.

2Wer ist umlagepflichtig, wer ist befreit

  • Grundsatz: Die U2 gilt für alle Arbeitgeber. An der U1 nimmst du teil, wenn du in der Regel nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigst.
  • Von der U1 ausgenommen (§ 11 Abs. 1 AAG): Bund, Länder, Gemeinden und andere öffentliche Arbeitgeber, zivile Arbeitskräfte bei ausländischen Streitkräften, Hausgewerbetreibende und bestimmte gleichgestellte Personen sowie die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege.
  • Von U1 und U2 ausgenommen (§ 11 Abs. 2 AAG): mitarbeitende Familienangehörige eines landwirtschaftlichen Unternehmers sowie bezuschusste Einstiegsqualifizierungen und geförderte außerbetriebliche Berufsausbildungen.
  • Auch von U1 und U2 ausgenommen: Menschen mit Behinderungen im Arbeitsbereich anerkannter Werkstätten.
  • Kurzfristige Aushilfen: Bei der Berechnung der U1-Umlage bleiben Entgelte von Beschäftigten außer Ansatz, deren Beschäftigungsverhältnis nicht länger als vier Wochen besteht und bei denen wegen der Art der Beschäftigung kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung entstehen kann (§ 7 Abs. 2 AAG).

3Erstattungsrechner: deine Beispielrechnung

Bruttolohn und Ausfalltage eingeben, Erstattungssatz einstellen. Der Rechner zeigt dir die Beispiel-Erstattung.

Erstattungssatz: 60 %
50 %80 %
Lohnfortzahlung für 10 Tage bei 3.500 € Bruttolohn: 1.167 €700 €

Beispielrechnung, keine Zusage. Der genaue Erstattungsbetrag hängt von der Satzung deiner Krankenkasse ab. Tageslohn vereinfacht als Bruttolohn ÷ 30 gerechnet.

Aktuellen Erstattungssatz kostenlos prüfen lassen

4Warum sich die Wahl des Erstattungssatzes lohnt

Ein höherer Erstattungssatz bedeutet meist einen höheren Umlagesatz, dafür planbarere Liquidität bei Ausfällen. Ob sich das lohnt, hängt von Krankheitsquote und Altersstruktur deiner Belegschaft ab. Wichtig zu wissen: Gesetzlich erstattet die Kasse 80 Prozent, ihre Satzung kann niedrigere Sätze vorsehen, aber nicht unter 40 Prozent. Welche Sätze du wählen kannst, legt jede Kasse selbst fest. Die DAK bietet zum Beispiel 50, 60, 70 und 80 Prozent, die TK 50, 70 und 80 Prozent.

Wichtig bei Minijobs: Für geringfügig Beschäftigte ist die Knappschaft-Bahn-See zuständig. Ihre Arbeitgeberversicherung erstattet bei der U1 80 Prozent der Aufwendungen bei Krankheit, die Umlage beträgt seit dem 01.01.2026 0,8 Prozent des Verdienstes (vorher 1,1 Prozent). Für alle anderen Beschäftigten gilt der Satz der Krankenkasse, bei der sie versichert sind. Die Kasse für die Umlage kannst du als Arbeitgeber nicht aussuchen.

5So gehst du vor

  1. Aktuellen Satz prüfen: Bei welchen Krankenkassen sind deine Mitarbeitenden versichert und welchen U1-Satz erstattet jede dieser Kassen?
  2. Satz wählen: Liegt der Satz am unteren Ende, prüfe bei jeder Kasse, ob die Satzung einen höheren Erstattungssatz anbietet. Gewählt wird für ein Kalenderjahr.
  3. Optimieren und dokumentieren: Wir prüfen deinen Satz kostenlos mit.

6Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Umlage U1 und U2?

U1 erstattet einen Teil der Lohnfortzahlung bei Krankheit und gilt für Arbeitgeber mit in der Regel höchstens 30 Arbeitnehmern. U2 erstattet bei Mutterschutz in vollem Umfang den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld und das Entgelt bei Beschäftigungsverbot, dazu die darauf entfallenden Arbeitgeberbeiträge. Sie gilt für alle Arbeitgeber, unabhängig von der Größe.

Muss ich als kleiner Betrieb mit wenigen Mitarbeitern auch teilnehmen?

Meistens ja. Die U2 gilt für alle Arbeitgeber. An der U1 nimmst du teil, wenn du in der Regel nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigst. Ausnahmen gelten nur für bestimmte Arbeitgeber und Beschäftigtengruppen, die § 11 AAG nennt.

Gilt die U2 auch, wenn ich keine Frauen beschäftige?

Ja. Die U2-Pflicht gilt unabhängig von der tatsächlichen Belegschaftsstruktur. Auch ein reiner Männerbetrieb zahlt die Umlage.

Wie hoch ist die Erstattung bei U2 genau?

In vollem Umfang erstattet werden der Zuschuss zum Mutterschaftsgeld und das Arbeitsentgelt, das du bei einem Beschäftigungsverbot weiterzahlst (Mutterschutzlohn), dazu die auf dieses Entgelt entfallenden Arbeitgeberbeiträge. Manche Kassen erstatten die Arbeitgeberbeiträge pauschal, die DAK zum Beispiel mit 21,50 Prozent, höchstens die tatsächlich gezahlten Beiträge.

Kann ich den Erstattungssatz nachträglich wechseln?

Nur zum Jahreswechsel. Du wählst den Erstattungssatz für ein Kalenderjahr. Bei DAK und TK muss die Wahl bis zur Fälligkeit der Umlage für Januar vorliegen und gilt dann für das ganze Kalenderjahr. Andere Kassen regeln das in ihrer Satzung. Die Kasse selbst kannst du dafür nicht wechseln, es zählt die Kasse deiner Mitarbeitenden.

Gilt die Erstattung auch in den ersten Wochen eines neuen Arbeitsverhältnisses?

Nein. Für Krankheitstage in den ersten vier Wochen eines neuen Arbeitsverhältnisses gibt es keine Erstattung. Das gilt laut Bundessozialgericht (Urteil vom 18.08.2022, B 1 KR 24/21 R) auch dann, wenn dein Tarifvertrag die Lohnfortzahlung schon ab dem ersten Tag vorsieht.

Deinen Erstattungssatz kostenlos prüfen lassen

Rechne oben mit deinen Zahlen oder frag direkt eine persönliche Prüfung deines aktuellen Satzes an.

Die Umlageverfahren U1 und U2 beruhen auf dem Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG). Den genauen Erstattungssatz der U1 legt jede Krankenkasse per Satzung selbst fest. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information, keine Steuer-, Rechts- oder Versicherungsberatung. Stand der Prüfung: 24. Oktober 2026. Quellen: Aufwendungsausgleichsgesetz, DAK, TK, Minijob-Zentrale, Bundessozialgericht B 1 KR 24/21 R.

Illustration eines kleinen Büros: leerer Bürostuhl, Wandkalender mit eingekreisten Tagen, Taschenrechner und Lohnordner auf dem SchreibtischIllustration
KI-generierte Illustration, kein Foto. Symbolbild für Krankheitstage im Betrieb, ohne Bezug zu einem realen Unternehmen.Illustration von VERSIANER, kein Foto
Was ein Ausfall kostet

Zehn Krankheitstage kosten 1.167 Euro, und der Erstattungssatz entscheidet, was zurückkommt

Bei 3.500 Euro Bruttolohn und zehn Ausfalltagen zahlst du in der vereinfachten Rechnung (Bruttolohn geteilt durch 30) 1.167 Euro Lohnfortzahlung. Die Umlage U1 erstattet Betrieben mit in der Regel höchstens 30 Arbeitnehmern davon je nach Satz der Kasse zum Beispiel 50 bis 80 Prozent, also 583 bis 933 Euro. Welche Sätze du wählen kannst, legt jede Krankenkasse per Satzung selbst fest, deshalb lohnt der Blick in die Satzung. Beispielrechnung, keine Zusage.

Aus der Presse

Krankheitsausfall im Betrieb: Zahlen, Urteil und Umlagesätze 2026

Laut IW-Schätzung zahlten Arbeitgeber 2025 für Lohnfortzahlung bei Krankheit 85,6 Milliarden Euro. Arbeitgeber mit in der Regel höchstens 30 Arbeitnehmern (ohne Azubis) erhalten über die U1 einen Teil zurück: gesetzlich 80 Prozent, laut Satzung auch weniger.

Ein Urteil und zwei Kassenmeldungen zu Erstattung und Umlage

Urteil Bundessozialgericht18.08.2022 · Hamburg (Vorinstanzen), Revision beim BSG

Streit um weitere 208,80 Euro Erstattung: BSG bestätigt vier Wochen Wartefrist trotz Tarifvertrag

Ein Rechtsanwalt zahlte seinem befristet beschäftigten Arbeitnehmer bei Krankheit nach Tarifvertrag vom ersten Tag Entgelt. Die beklagte Knappschaft-Bahn-See lehnte die Erstattung ab. Das Bundessozialgericht wies die Revision des Anwalts am 18.08.2022 zurück.

  • Der Arbeitnehmer war vom 29.07. bis 15.11.2014 befristet beschäftigt und vom 30. bis 31.07. sowie vom 21. bis 29.08.2014 arbeitsunfähig.
  • Die Kasse erkannte im Verfahren den Zeitraum 26. bis 29.08.2014 an. Der Anwalt verlangte weitere 208,80 Euro nebst 4 % Zinsen seit dem 1. September 2015.
  • Das Gericht entschied: Erstattung gibt es erst nach vier Wochen Beschäftigungsdauer, auch wenn der Tarifvertrag keine Wartezeit für die Entgeltfortzahlung vorsieht.
EinordnungSieht dein Tarifvertrag Entgeltfortzahlung ab dem ersten Tag vor, begründet das laut Gericht keinen weitergehenden Erstattungsanspruch zulasten der Solidargemeinschaft der Kleinunternehmen. Es geht um die ersten vier Wochen eines Arbeitsverhältnisses. Ob für diese Lücke eine Versicherung bestand, wird nicht berichtet.
KassenmitteilungSeptember 2026 · Bundesweit

DAK: U1-Umlagesatz bei 70 Prozent Erstattung ab 09/2026 bei 1,3 statt 2,4 Prozent

Die DAK-Gesundheit nennt auf ihrer Arbeitgeberseite (Stand 01.09.2026) für die Umlage U1 ab 09/2026 niedrigere Sätze als für Januar bis August 2026. Der Regelsatz der Erstattung liegt bei 70 Prozent.

  • Bei 50 Prozent Erstattung: 0,8 Prozent Umlage ab 09/2026, 1,3 Prozent von 01 bis 08/2026, 2,1 Prozent in 2025.
  • Bei 70 Prozent Erstattung (Regelsatz): 1,3 Prozent ab 09/2026, 2,4 Prozent von 01 bis 08/2026, 2,8 Prozent in 2025.
  • Bei 80 Prozent Erstattung: 1,8 Prozent Umlage ab 09/2026, 3,9 Prozent von 01 bis 08/2026, 4,2 Prozent in 2025.
EinordnungUmlagesätze sind keine feste Größe: Diese Kasse hat sie 2026 mitten im Jahr gesenkt. Die DAK-Seite nennt keinen Grund und sagt nichts über andere Kassen. Halte Umlage- und Erstattungssatz deiner Kassen mit Datum fest und prüfe sie mindestens einmal im Jahr.
Kassenmitteilung01.01.2026 · Bundesweit

Minijob-Zentrale: U1-Umlage für Minijobs sinkt zum 01.01.2026 von 1,1 auf 0,8 Prozent

Zum 1. Januar 2026 wurde die Umlage U1 für Minijobs von 1,1 auf 0,8 Prozent des Verdienstes gesenkt, meldet die Minijob-Zentrale. Die Knappschaft-Bahn-See nannte im Dezember 2025 für die U1 0,80 Prozent bei weiterhin 80 Prozent Erstattung.

  • Die Minijob-Zentrale begründet die Senkung mit Überschüssen in der Umlagekasse der Arbeitgeberversicherung.
  • Die Knappschaft-Bahn-See schreibt, der Umlagesatz U1 sinke bei gleichen Leistungen auf 0,80 Prozent, sie erstatte weiterhin 80 Prozent der Aufwendungen bei Krankheit.
  • Laut Minijob-Zentrale nehmen Unternehmen mit bis zu 30 Mitarbeitenden an der U1 teil; zahlen müssen auch Betriebe, die nur Minijobber beschäftigen.
EinordnungDie Minijob-Zentrale beschreibt den Satz für Minijobs. Die Meldung der Knappschaft-Bahn-See nennt Minijobs nicht ausdrücklich. Welche Sätze die Knappschaft als Krankenkasse für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte anwendet, sagen beide Quellen nicht. Ein Kassenvergleich lässt sich daraus nicht ableiten.

Fünf Zahlen aus Statistik, Gesetz und Kassenseiten

85,6 Mrd. €
Kosten der Entgeltfortzahlung bei Krankheit für Arbeitgeber 2025
IW-Schätzung, alle Arbeitgeber: 72,5 Mrd. € Entgelte, 13,1 Mrd. € Sozialbeiträge. Ob U1-Erstattungen abgezogen sind, nennt das IW nicht.
IW Köln, Pressemitteilung und Kurzbericht 57/2026, 29.08.2026
14,6 Tage
krankgemeldete Arbeitstage je Arbeitnehmer in Deutschland 2025
Destatis, 23.07.2026. Erfasst nur Krankmeldungen über drei Tage; laut Destatis dürfte die Zahl faktisch höher liegen. Quelle: IAB.
Statistisches Bundesamt, Stand 23.07.2026
45,7 %
der Fehltage bei der TK 2025 aus Krankmeldungen über sechs Wochen
Das sind 3,6 % aller Krankmeldungen. Basis: TK-Mitglieder (Beschäftigte und Arbeitslose), 2025.
Techniker Krankenkasse, Gesundheitsreport 2026
40 bis 80 %
U1-Erstattung: gesetzlich 80 %, Satzungen nicht unter 40 %
§ 1 Abs. 1 und § 9 Abs. 2 Nr. 1 AAG. Welche Sätze deine Kasse anbietet, regelt ihre Satzung.
Aufwendungsausgleichsgesetz, §§ 1 und 9, abgerufen 24.10.2026
0,8 % und 2,0 %
U1-Umlagesatz bei 50 % Erstattung: DAK und IKK classic im Vergleich
DAK ab 09/2026: 0,8 %. IKK classic ab 01.08.2026: 2,0 % (ermäßigt, auf Antrag). Zwei Kassen, keine Marktspanne.
DAK-Gesundheit, 01.09.2026; IKK classic, 01.08.2026

Die Beispiele sind Einzelfälle aus Gerichts- und Kassenmitteilungen und keine Rechtsberatung; Umlage- und Erstattungssätze ändern sich und gelten je Kasse, maßgeblich ist die aktuelle Satzung deiner Kasse.

Quellen

Abgerufen am 24.10.2026

Erstattungssatz prüfen lassen

Kostenlos und unverbindlich: Wir prüfen, bei welchen Kassen deine Mitarbeitenden versichert sind, welche Umlage- und Erstattungssätze diese Kassen haben und ob ein anderer Erstattungssatz zu deinem Betrieb passt.