Benefits · Ratgeber für Arbeitgeber
Betriebliche Unfallversicherung: Schutz, wenn die Berufsgenossenschaft nicht zahlt
Die gesetzliche Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaft greift bei Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und Berufskrankheiten, im Homeoffice auch zuhause. Beim privaten Sport, im Urlaub und im Haushalt zahlt sie in der Regel nicht. Die betriebliche Unfallversicherung (Gruppenunfallversicherung) schließt genau diese Lücke, für die ganze Belegschaft oder einzelne Gruppen.
Die Berufsgenossenschaft deckt Arbeitsunfälle, Wegeunfälle und Berufskrankheiten ab. Ein erheblicher Teil der ärztlich versorgten Unfälle passiert zu Hause und in der Freizeit: Laut einer Befragung des Robert Koch-Instituts (2024) geschah der letzte Unfall Erwachsener in 36,0 % der Fälle zu Hause und in 23,4 % in der Freizeit, nur in 16,0 % bei der Arbeit (ohne Wegeunfälle). Die betriebliche Unfallversicherung schließt diese Lücke arbeitgeberfinanziert und gilt nach den GDV-Musterbedingungen weltweit und rund um die Uhr. Du kannst die Beiträge als Betriebsausgabe abziehen. Für deine Mitarbeiter können sie Arbeitslohn sein, das hängt vom Vertrag ab. Kläre das vor dem Abschluss mit deinem Steuerberater.
1Warum die gesetzliche Unfallversicherung nicht reicht
| Gesetzliche Unfallversicherung (BG) | Betriebliche Unfallversicherung | |
|---|---|---|
| Geltungsbereich | Arbeitsunfälle, Wegeunfälle und Berufskrankheiten | 24 Stunden weltweit |
| Freizeitunfälle | in der Regel nicht versichert | versichert, mit tariflichen Ausschlüssen |
| Invaliditätsleistung | Verletztenrente, wenn die Erwerbsfähigkeit über die 26. Woche hinaus um mindestens 20 % gemindert ist | vertraglich fixierte Summe (Gliedertaxe) |
| Zusatzleistungen | Heilbehandlung, Reha, Kfz- und Wohnungshilfe, aber nur nach Arbeits- und Wegeunfällen sowie bei Berufskrankheiten | Umbaukosten, Kur, Bergung tarifabhängig möglich, auch nach Freizeitunfällen |
| Wer zahlt | Arbeitgeber, Pflichtbeitrag | Arbeitgeber, freiwillig, als Betriebsausgabe abziehbar |
2Wer versichert werden kann
- Die ganze Belegschaft oder einzelne Gruppen und Abteilungen, eine Staffelung ist möglich.
- Der Unternehmer oder Geschäftsführer selbst: oft vergessen, aber genauso absicherbar.
- Bei Selbstständigen auch Familienangehörige, je nach Tarif.
- Höhere Summen für Führungskräfte als Zusatzbenefit, ohne dass alle dieselbe Summe erhalten müssen.
3Die Leistungsbausteine im Überblick
- Invaliditätsleistung (Gliedertaxe): vertraglich fixierte Auszahlung je nach Körperteil und Invaliditätsgrad. Den Rechner dazu findest du weiter unten.
- Progression: Tarife mit Progression zahlen ab bestimmten Invaliditätsgraden überproportional. Die Staffeln unterscheiden sich je Versicherer. Bei 100 % Invalidität sind zum Beispiel 350 % oder 500 % der Grundsumme möglich.
- Unfallrente: bei dauerhaftem Schaden ab einem bestimmten Invaliditätsgrad zusätzlich zur Einmalzahlung.
- Sofortleistung und Umbaukosten: Diese Zusatzbausteine stehen nicht in den GDV-Musterbedingungen. Ob und in welcher Höhe dein Tarif sie leistet, steht im Angebot.
- Todesfallleistung: Absicherung der Angehörigen.
- Kur- und Bergungskosten: Bergungskosten sind im GDV-Muster als Leistungsart geregelt (Ziffer 2.8). Kurkosten hängen vom Tarif ab.
4Gliedertaxen-Rechner: deine Beispielrechnung
Körperteil wählen, gewünschte Invaliditätsgrundsumme einstellen. Der Rechner zeigt dir eine Beispielauszahlung.
Beispielrechnung, keine Zusage. Die Werte folgen dem Muster des GDV (AUB 2020). Der GDV nennt sie unverbindlich, dein Tarif kann abweichen. Bei tieferem oder teilweisem Verlust zählt der entsprechende Teil des Prozentsatzes. Progression ist hier nicht eingerechnet.
5So gehst du vor
- Bestand prüfen: Sind Belegschaft oder Geschäftsführung aktuell überhaupt gegen Freizeitunfälle abgesichert?
- Gruppen festlegen: Soll die ganze Belegschaft dieselbe Summe erhalten, oder gestaffelt nach Position?
- Angebot einholen und einrichten: Wir übernehmen Vergleich und Antrag.
6Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen gesetzlicher und betrieblicher Unfallversicherung?
Die gesetzliche Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaft deckt Arbeitsunfälle, Wegeunfälle und Berufskrankheiten ab. Die betriebliche Unfallversicherung ergänzt das freiwillig und gilt 24 Stunden weltweit, auch in der Freizeit.
Sind Unfälle in der Freizeit mitversichert?
Ja, das ist der Kernpunkt: Der Schutz gilt weltweit und rund um die Uhr, bei beruflichen und privaten Unfällen. Nach den Musterbedingungen des GDV sind zum Beispiel Unfälle durch Bewusstseinsstörungen, bei Motorrennen und als Pilot ausgeschlossen. Welche Ausschlüsse dein Tarif hat, steht in seinen Bedingungen.
Wie funktioniert die Gliedertaxe und was bedeutet Invaliditätsgrad?
Die Gliedertaxe legt vertraglich fest, welcher Prozentsatz der vereinbarten Grundsumme bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit eines bestimmten Körperteils ausgezahlt wird. Ein Beinverlust zählt zum Beispiel anders als der Verlust eines Fingers.
Kann ich einzelne Mitarbeitergruppen unterschiedlich absichern?
Ja. Übliche Staffelung ist Gruppe A (überwiegend Bürotätigkeit) und Gruppe B (körperliche Tätigkeit), zusätzlich lassen sich einzelne Positionen wie die Geschäftsführung höher versichern.
Ist das etwas anderes als Unfall-Invest?
Ja. Unfall-Invest ist eine private Unfallversicherung mit Sparkomponente für Einzelpersonen. Die betriebliche Unfallversicherung hier ist die Gruppenlösung für die ganze Belegschaft, vom Arbeitgeber finanziert.
Belegschaft gegen Freizeitunfälle absichern
Wähle oben im Rechner Körperteil und Wunschsumme oder frag direkt ein Angebot mit echter Gliedertaxe an.
Der Arbeitgeber kann die Beiträge zur betrieblichen Unfallversicherung als Betriebsausgabe abziehen (§ 4 Abs. 4 EStG). Für Mitarbeiter können sie lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn sein, bei Gruppenverträgen ist eine Pauschalierung nach § 40b Abs. 3 EStG möglich. Die gesetzliche Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaften richtet sich nach dem SGB VII. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information, keine Steuer-, Rechts- oder Versicherungsberatung. Gliedertaxen-Werte im Rechner folgen dem unverbindlichen Muster des GDV (AUB 2020); die tatsächliche Gliedertaxe legt der gewählte Vertrag fest. Stand der Prüfung: 24. Oktober 2026. Quellen: SGB VII, EStG § 4, EStG § 40b, GDV, AUB 2020, DGUV, Arbeits- und Wegeunfallgeschehen, Robert Koch-Institut.